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DING des Monats
Mai 2008:
Gießkanne aus dem Sammlungsbereich DDR
So, da haben wir’s nun. Das soll eine Gießkanne sein. Plastik, weiß-orange. Die Form mahnt an einen umgedrehten Kaffeefilter, der versehentlich mit einem Griff und einer Tülle kollidiert ist. Wer versucht, in die dafür vorhergesehene Öffnung Wasser zu füllen, wird ziemlich nass werden. Praktisch? Nein, das ist sie nicht. Aber chic! Der letzte Schrei, um die Blüten des Kommunismus zu wässern! Die Tülle zweifarbig, orange Farbakzente wecken im Betrachter den Wunsch nach einer Sonnenbrille, der Griff ist nach sämtlichen ergonomischen Erkenntnissen ungünstig geformt. Das Muster: Zwischen Golfball und Faltenrock angesiedelt. Den Usambara-Veilchen ist’s egal, sie bekommen regelmäßig ihre Bewässerung, damit sie zum Wohle der Republik blühen können. Aber was hätte Konrad bloß gesagt? Konrad Adenauer, der zur aktiven Zeit der Gießkanne gerade im Westen Wiederaufbauarbeit leistete, er hätte dieses „Eine Tülle, eine Blüte“ - Prinzip nicht gut geheißen. 1940 meldete er ja sogar einen Brausekopf für Gießkannen als Patent an. Adenauer wollte, dass alle etwas abbekommen – das Gießkannenprinzip eben. So hätte es ja auch im Sozialismus sein sollen: Jeder bekommt gleich viel. War diese Gießkanne vielleicht eine Prophezeiung, dass das System scheitern würde? Eine Metapher gar? Von außen ein interessantes, zeitgemäßes Modell, aber bei näherem Hinsehen entpuppen sich sofort vielfältige Nachteile? Wer weiß…
Friederike Pfingsten
Entstanden im Seminar "Einführung in den Kulturjournalismus" von Annett Gröschner und Jule Körber an der Universität Hildesheim, 2008.
Ding des Monats - Archiv
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